Cajamarca und Wanderung zu den Inkamalereien

Ein Bericht von Natalie Kastens

Vergangenes Wochenende hatten Freiwillige aus Sucre und ich einen Ausflug nach Cajamarca, einen Ort nahe Sucre, und zu den Inkamalereien geplant.

Cajamarca ist ein großer, schöner und ruhiger Ort, der durch ein ökologisches Projekt erstanden ist. Ziel dieses Projektes war, in der trockenen und vegetationsarmen Landschaft Bäume anzupflanzen. Deshalb ist es heute im Vergleich zum Stadtzentrum Sucres ein komplettes Gegenteil: vieeeel Vegetation (was ein Paradies für mich ist), kaum Menschen (insgesamt nur 126 Einwohner auf einer großen Fläche verteilt), vieeel Ruhe und Stille. Die viele Ruhe kommt auch daher, dass man an keinem Ort Netz für das Handy hat, und sich somit noch mehr ‚abgeschottet‘ fühlt – das kann aber auch mal ganz entspannend sein.

Eigentlich war ‚nur‘ die Wanderung mit einer organisierten Tour zu den Inkamalereien geplant. Da jedoch die Großmutter einer Freiwilligen unserer Gruppe Mitinitiatorin und bei den Anfängen dieses ökologischen Projektes dabei war, wurde uns eine ‚Privattour‘ von Bekannten angeboten. Dieses Angebot nahmen wir natürlich sofort an. Da es hieß dass die Tour schon um 4 Uhr MORGENS beginnt, hat sich angeboten nach Cajamarca zu gehen und dort in einem ‚Selbstversorgerhaus‘ für Besucher zu übernachten.

Aaalso war der Plan am Samstag Mittag/ Nachmittag nach dem Essen nach Cajamarca zu fahren. Die Großmutter von Jelka (der Freiwilligen) hatte uns auch extra eine Adresse eines Taxisfahrers gegeben, der günstig ist und den Weg nach Cajamarca kennt. Denn anscheinend kennen nicht viele Taxifahrer diesen Ort?

Also machte ich mich mit drei anderen zum verabredeten Stelle, wo der Taxifahrer ja eigentlich hinkommen sollte.? Uns war schon klar, dass wir wahrscheinlich ziemlich warten mussten, denn das bolivianische Zeitgefühl ist ein bisschen anders und sie handeln nach der Devise :          ‘ Immer schön viel Zeit lassen:‘.

Das der Taxifahrer jedoch letztendlich gar nicht kommt und auch telefonisch nicht zu erreichen war, hatten wir nicht eingeplant und war nicht so passend? Das zeigt mal wieder die bolivianische Zuverlässigkeit?

Also mussten wir irgendwie einen anderen Weg nach Cajamarca finden und machten uns zur ‚Taxistation‘, mit der Hoffnung eine Person zu finden, die den Weg nach Cajamarca kennt. Gerade als wir nachgefragt haben, rief uns jedoch Jelka an, und sagte dass wir noch bei ihrer Oma mitfahren können – Juhuuu wir hatten wieder Hoffnung, dass alles klappt. Jetzt im Nachhinein bin ich auch ziemlich froh, dass der Taxifahrer nicht gekommen ist, denn sonst hätte ich niemals so eine geniale Fahrt gehabt: Da in dem Landrover ihrer Oma kein Platz mehr war, haben wir uns hinten auf die Ladefläche, inmitten der ganzen Rucksäcke und Essensvorräte einen Platz gesucht. Manchmal auf der Fahrt zwar ein bisschen unangenehm, da Straßen oft nicht wie Straßen und sehr holprig sind? Aber es ist einfach so ein geniales Gefühl, die ganze Fahrt über in der Sonne auf der Ladefläche eines Landrovers zu sitzen, den Fahrtwind zu spüren und die ganze Zeit tolle Landschaften sehen und tolle Aussichten haben – das war der ganze anfängliche Stress wert!

Was uns dann jedoch auf der Fahrt auffiel ist, dass die zweite Gruppe von uns, die die Tour mitmachen wollte, auch mit dem gleichen Taxifahrer nach Cajamarca kommen wollten, wohl ein Problem hatten? Schneeeell holten wir unsere Handys raus, und obwohl wir schon recht weit von dem Stadtzentrum entfernt waren, hatten wir sogar noch Empfang (welch ein Wunder). Aber auch die Chance verpassten wir, denn anstatt eine schnelle Sprachnachricht mit den nötigsten Information zu schicken, wurde diese Sprachnachricht zu einer etwas längeren, so dass wir dann beim abschicken kein Netz mehr hatten und somit keine Chance irgendjemanden zu erreichen.. Aber wir vertrauten auf den Willen und auf das Durchsetzungsvermögen der anderen?

Am Nachmittag sind wir dann endlich in Cajamarca auch angekommen und haben uns erstmal umgeschaut: viel viel viel Vegetation – da konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass es an diesem Ort mal keine Bäume, keine Pflanzen oder kein Graß gab. Genauso wenig konnte ich mir vorstellen, wie klein und mit wie viel Arbeit und Aufwand dieses Projekt mal begonnen hatte. Für mich ist die Arbeit und das Engagement von Jelkas Oma, Annelie Dehmel, einfach unfassbar, bewundernswert – unbeschreiblich solch einen Ort aufzubauen. Das Projekt hat sich dann so erweitert, dass es jetzt einige kleine Häuser für Besuche oder Schulgruppen zum Übernachten gibt.

Nachdem wir dann in unser kleines Häuschen gegangen sind, in dem wir auf Matratzen auf dem Dachboden geschlafen haben (War aber total gut dort), schlossen wir wetten ab, wann die anderen bzw. ob sie überhaupt noch eintreffen? (Ich habe auf 22 Uhr getippt). Fraglich war auch ob überhaupt die Wanderung zustande kam, denn unser Leiter der Wanderung wollte eigentlich schon vor zwei Tagen in Cajamarca sein..? Aber wir blieben optimistisch und hofften, dass die Bolivianer wenigstens bei einem geplanten Ausflug zuverlässig sind?

Da man sich die Essenssachen zum Kochen mitnehmen muss, da dort auch keine Einkaufsläden gibt, schauten wir mal in den Sack, was alles für uns eingekauft wurde und machten uns an das Kochen ran. Für dort gegebenen Umständen – mit einer sehr kleinen Küche, Gasherd mit drei Herdplatten (die dritte haben wir leider erst zum Schluss entdeckt..), stumpfen Messern und ab und zu vorkommenden Stromausfall, wurde das Essen echt gut. Und, welch ein Glück, als wir gerade anfingen zu essen, kam auch unser Leiter mal an – ich war dann schon mal ziemlich erleichtert. Nach dem Spülen war es dann auch ‚schon‘ halb 10 und wir hielten es am besten, uns schon mal hinzulegen um fit für die Wanderung zu sein. Die Hoffnung dass die anderen noch irgendwie den Weg hier her finden, haben wir mittlerweile aufgegeben. Araber, welch ein Wunder, in der Nacht um 12 Uhr hörte ich aus dem Nichts viele Geräusche, mir bekannte Stimmen und auf einmal standen die anderen Freiwilligen total fertig und gestresst vor mir. Sie haben wohl 6 – 7h in einem Taxi verbracht, da der Taxifahrer den Weg nicht kannte und sie dann auch noch eine Panne hatten.. ganz schön viel Pech, aber immerhin sind sie angekommen.

Um halb 5 wurden wir dann mit der Frage, ob wir schon fertig seien, von unserem Leiter geweckt. Natürlich haben wir unsere Wecker ignoriert und noch geschlafen.. Das bedeutete dann  Stress Stress Stress, so dass wir schnell wie möglich wegkommen. Beim Warten auf die anderen ist mir der unglaubliche Sternenhimmel aufgefallen – so klar und ohne irgendwelchen Lichteinfluss. So einen Himmel habe ich nur selten, vielleicht auch noch nie gesehen.

Und dann ging es auch endlich los. Am Anfang haben wir komplett nichts gesehen und waren auf unsere Taschenlampen und unserem Gefühl, dass wir auf festen Boden treten, angewiesen. Also im Dunkeln die Waldabhänge hoch und runter, durch Äste und Gestrüpp hindurch  und über einen Fluss springen – das war schon eine leichte Herausforderung, aber wir alle haben es irgendwie geschafft.

Dann kam auch schon das erste Highlight: Der Sonnenaufgang. Die Farben, so intensiv, so schön. In Echt war die Sonne Blutrot, leider auf den Bildern nicht so.. Aber schon auf den Bildern finde ich das Farbspiel unbeschreiblich.

Nach einer kurzen Pause, um zu frühstücken, ging es dann weiter. Irgendwie merkte ich recht schnell, dass unsere Route kein gewöhnlicher Wanderweg oder generell kein gewöhnlicher Weg war – Oft gab es kein Weg und unser Reiseleiter meinte nur :‘ Da oben ist unser Ziel, und zu einem Ziel gibt es immer einen Weg.‘. Da hatte er zwar auch immer recht, aber trotzdem war es ab und zu nicht so ganz einfach und ungefährlich, da es Bergsteigen glich (ohne jegliche Sicherung..).  Gefühlt habe ich mich zum Teil wie in einem Abenteuerfilm, da wir uns einfach unseren eigenen Weg gesucht haben, und uns nichts behindert hatte (Außer riesen Felsen um die wir dann herumsteigen mussten..). Nach 3h wandern fragte ich dann auch mal den Reiseleiter, ob das auch der Wanderweg von Touristenoganisationen ist und wie lange wir denn überhaupt noch wandern müssen. Da meinte er, dass wir einen viel längeren und schwierigeren Weg laufen, und an diesen Stellen nie Touristen bzw. generell selten andere Menschen vorbeikommen. Hm, ist ja ganz schön, dass wir dann die Chance haben, dass alles zu sehen, aber wieso sooo anstrengend? Im Nachhinein bin ich zwar ziemlich froh, solche Bilder gesehen und gemacht zu haben, aber nicht selten hatte ich mir zwischendurch auch gewünscht, dass der Weg doch kürzer und einfacher wäre.

Außerdem meinte er, dass wir insgesamt wahrscheinlich 10h wandern – 5 Stunden für den Hinweg, und auch 5h für den Rückweg, da dass der selbe ist und es keinen anderen Weg zurück gibt. Naja, spätestens dann wussten wir, was und wie viel noch alles auf uns zu kommen wird:

Wir waren auf der Seite der Anden, auf der nie Touristen hinkommen und auf der auch nicht die Inkamalereien, unser eigentliches Ziel, ist. Das hieß also, dass wir erstmal die Berge ‚erklimmen‘ mussten, um irgendwie auf die andere Seite zu kommen. Also befanden wir uns irgendwann auf fast 4000 m Höhe – auf dem Weg nach oben mussten wir zwar oft kleine Pausen machen, um wieder zu Atem zu kommen. Aber das Ergebnis war unbeschreiblich – die Aussicht, diese Luft, einfach alles. Wirklich unbeschreiblich, deswegen zeige ich nochmal einfach gaaanz viele Bilder:

Interessant war auch, dass die Berge ‚auf der anderen Seite‘ nicht so felsig und vegetationsreiche schienen, sondern mit rötlicher und gelblicher Erde auffielen.

Nach den ganzen Stunden hatten wir schon fast unser eigentliches Wanderziel vergessen: die Hölen mit den Inkamalereien. Als wir dann endlich die Bergkette überquert hatten, uns dann auf den berühmten Inkaweg mitten in den Felsen befanden, ging es hinab zu der erste ‚Höhle‘ mit den Malerein. Davon hatte ich mir aber ehrlich gesagt mehr erhofft, da es ein ‚paar Kreisel‘ auf einer Wand waren – Nichts desto trotz interessant, wenn man bedenkt wie alt es ist und von welcher bekannten Kultur es stammt.

Aber leider dachte ich mir auch, dass irgendjemand sich einfach ein Stück Kohle nehmen, und eben Kreisel auf eine Felswand malen könnte.. Die zweite Höhle bzw. Ausbuchtung mit den Malereien war schon ein bisschen vielversprechender und interessanter. Zu dieser mussten wir erstmals wieder eine steile Bergwand hinaufklettern (ohne Sicherung..), um wieder auf dem Inkaweg zu sein. In diesem Moment hatte ich kurzzeitig auch mal ein bisschen Angst und habe es lieber vermieden hinunter zu gucken?

Nach einigen Treppenstufen wieder bergab befanden wir uns dann endlich bei der zweiten Höhlen mit den Zeichnungen.

Verschiedene figurenähnliche Zeichnungen und Symbole, von denen ich jedoch leider nicht die Bedeutung kenne. Für mich ist so etwas immer sehr interessant, da diese Zeichnungen eine für mich unbekannte und zum Teil mysteriöse Kultur widerspiegelt. Ich kenne die Inkabevölkerung nur durch Legenden oder anderen Geschichten. Dann etwas von ihnen zu sehen (wenn die Zeichnungen echt sind, was ich hoffe) finde ich persönlich spannend und sehr interessant. Am liebsten würde ich die genaue Geschichte, die Hintergründe und die Bedeutung aller Symbole wissen.. Ich weiß nur, dass diese an die 2500 Jahre alt sind. Außerdem wurde uns gesagt, dass die Wände, auf denen Zeichnungen sind, mit Dynamit gesprengt wurden, da man dahinter Gold vermutete.. Das war jedoch eine falsche Vermutung und hat leider vieles zerstört..

Nachdem wir die Malereien besichtigt hatten, mussten wir uns erstmal mit einem Mittagsessen für den Rückweg stärken. Der Hinweg war schon seeehr kräfteraubend. Auf dem Rückweg kam dann noch die zunehmende Sonne und die fehlende Motivation dazu, nochmal so lange zu laufen.. Fatal war auch, dass mit unseren Kräften uns langsam auch das Trinkwasser ausging, denn keiner hatte mit einer so langen und anstrengenden Wanderung gerechnet? Aber Zähne zusammenbeißen und durch! Um halb 6 Uhr Abends kamen wir dann auch endlich wieder in Cajamarca an – verständlicherweise total fertig. Ich glaube jeder hatte nur noch den Wunsch zu duschen und sich dann hinzulegen..?

Wieder auf der Ladefläche des Landrover zurück nach Sucre, fiel ich zwar total erschöpft ins Bett, aber war auch unheimlich glücklich über dieses kleine Abenteuer und musste erstmal alle Eindrücke und Erlebnisse verarbeiten..

Ich freue mich schon sehr auf mein nächstes kleines Abenteuer, was wahrscheinlich ein 3 –Tagesausflug an den Salar de Uyuni sein wird…